Stand: Juni 2007
Kurzportrait Südafrika
Südafrika galt 1990 als Entwicklungsland und wird im Kyoto-Protokoll daher als Nicht-Annex-I-Land
ohne eigene Reduktionsverpflichtungen für Treibhausgase geführt. Allerdings liegt das Land mit jährlich 418 Mio
t CO2e an 19. Stelle der absoluten Treibhausgasemissionen und hat sich insbesondere in den Metropolen zu einem
wohlhabenden Industriestaat entwickelt. Deshalb spielt die größte Volkswirtschaft Afrikas für zukünftige
Verpflichtungsperioden eine besondere Rolle. Südafrika bekennt sich klar zum Multilateralismus und hat sich in einem
informellen Treffen wichtiger Industrie- und Schwellenländer im Februar 2007 auch eine zukünftige Teilnahme an den
internationalen Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels in Aussicht gestellt.
Dennoch soll Kohle der wichtigste Energieträger des Landes für mindestens 20 Jahre bleiben. Südafrikas Kohlevorkommen werden auf 5,6% der weltweiten Reserven geschätzt und haben einen Anteil von 95% an der heimischen Stromproduktion. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bei nur etwa 10 % des Primärenergieverbrauchs, obwohl Südafrika außerdem über ein bedeutendes erneuerbares Energiepotential verfügt. Der geringe Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion ist dem sehr günstigen Kohlestrom geschuldet. Tiefe Strompreise sind aus Regierungssicht nicht nur aus Gründen des Wettbewerbs um ausländische Direktinvestitionen wichtig, sondern unterstützen auch die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung von Armut.
Durch ein hohes Wirtschaftswachstum ist die jährliche Stromnachfrage stärker als von der Regierung prognostiziert gestiegen. Wegen der steigenden Nachfrage und des veralteten und zentralistisch angelegten Stromnetzes mit Kraftwerksleistungen von bis zu 4.500 MW bestehen Versorgungsengpässe, die häufig zu Unterbrechungen der Stromversorgung führen. Die Sicherung von Stromversorgung und die Überwindung drohender Elektrizitätsengpässe in Spitzenzeiten ist daher ein energiepolitisches Thema von hoher Bedeutung. Neben umfassenden Investitionen in neue Kraftwerke haben Maßnahmen zur Steigerung von Energieeffizienz und Ausschöpfung von Einsparpotentialen auf der Nachfrageseite angesichts sinkender Kraftwerksreserven große Bedeutung. Die Regierung hat sich im Strategiepapier „White Paper on Renewable Energy“ von 2003 dazu verpflichtet, den Beitrag erneuerbarer Energien von derzeit 3.300 GWh um 10.000 GWh bzw. 4% des geschätzten Stromverbrauches bis 2013 zu steigern.
Nach zögerlichem Start entwickelt sich der CDM-Markt Südafrikas inzwischen dynamisch. Das Department of Minerals and Energy (DME) als DNA spricht von 48 Projektaktivitäten, von denen für 18 Projekte ein PDD eingereicht worden ist. Im CDM-Investitionsklimaindex der DEG rangiert Südafrika weltweit auf 6. Stelle bei insgesamt „guten“ Rahmenbedingungen für CDM-Projekte. Eine wichtige Hürde für die Realisierung von CDM-Vorhaben in Südafrika stellt die bei bestimmten Projekttypen geforderte Erstellung von Umweltverträglichkeitsprüfungen dar. In einigen Provinzen können sich Verzögerungen ergeben, da die zuständigen Behörden nicht über die erforderlichen Kapazitäten verfügen, diese zu überprüfen. Besitzer von CDM-Projekten, die wenige der eigenen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen oder viele Emissionszertifikate generieren werden, kann die DNA dazu verpflichten, einen Teil der Erlöse in zusätzliche Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung nahe des Projektes zu investieren.
Mit SouthSouthNorth hat eine Nichtregierungsorganisation ihren Sitz in Südafrika, die über erhebliche Expertise zur Erarbeitung von CDM-Projekten allgemein und in Südafrika speziell verfügt. Das von ihr entwickelte „Kuyasa low cost housing upgrade“-Projekt in Kapstadt verfügt aufgrund seiner gelungenen Verknüpfung von Armutsbekämpfung und Emissionsminderung über einen hohen internationalen Bekanntheitsgrad.


