November 2008
Kurzportrait Chile
Chile ist ein Land der
geographischen Extreme, die durch den raschen Reliefanstieg von der Atacama bis zu den Andengipfeln und eine
Nord-Süd-Erstreckung von über 39 Breitengraden bedingt werden. Vulkanische Aktivität, starke Winde über
Patagonien und die Küstenwüste schaffen günstige Bedingungen für Geothermie, Windkraft und
Solarenergie.
Anthropogenen Ursprungs sind hingegen eine Zunahme starker El Nino-Ereignisse, die zu Flutkatastrophen und Ausfällen in
der Fischereiwirtschaft führen. Kürzungen der argentinischen Erdgaslieferungen sowie ausbleibende Winterregen
bedingen eine akute Energiekrise.
Aufgrund der Krise bei der Elektrizitätsversorgung, der Knappheit bei der Erdgas-Versorgung aus Argentinien,
Dürreperioden der letzten Zeit und steigender Ölpreise sind erneuerbare Energien und Energieeffizienz von großer
Bedeutung für Chile. Daher wird Chile als attraktives Land für CDM-Projektentwickler betrachtet, auch aufgrund seines
andauernden Wirtschaftswachstums, eines sicheren Investitionsklimas und der Gesetzgebung für erbeuerbare Energien, die
kleinere Wasserkraftwerke sowie weitere Nutzung erneuerbarer Energien fördert. Auch eine Finanzierung von
Machbarkeitsstudien sowie PDD-Unterstützung für CDM-Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien ist möglich.
Allerdings schränkt der große Anteil von Wasserkraft am Energiemix des Landes die Menge an
Emissionsminderungszertifikaten (CERs), die aus Projekten zur Energiegewinnung gewonnen werden können, ein. Wegen sozialer
und ökologischer Folgen durch große Staudämme gibt es Widerstände gegen Wasserkraftprojekte. Viele dieser
Staudämme sind in Regionen geplant, in denen Natur und Tourismus beeinträchtigt wären. Wasserkraftwerke mit
einer Leistung über 20 MW erfordern zudem eine zusätzliche Genehmigung und die Beachtung der Richtlinien
Weltkommission für Staudämme ist nötig, damit sie für den EU-Emissionshandel in Frage kommen. Außerdem
behindern vier getrennte Übertragungsnetze das Potenzial der Erneuerbaren Energien, da z.B. die Energie aus Erneuerbaren
im Süden des Landes nicht in den nachfragestarken Regionen der Mitte genutzt werden kann.
Bis 2012 sollen 25 Mrd US-$ in die Stromversorgung fließen und bereits 2005 wurden die Bauvorschriften um strenge
Energienormen erweitert. 2007 wurde ein neues Umweltministerium eingerichtet, mit dessen Hilfe die Umweltgesetzgebung und
Aspekte der Nachhaltigkeit besser durchgesetzt werden können. Auch wenn das wirtschaftsstarke Land (2007: 5,1% Wachstum)
kein klassisches Zielland der Entwicklungszusammenarbeit ist, wird Chiles Umbau im Energiesektor von Deutschland aktiv
unterstützt. KfW, GTZ und CIM sowie die deutsch-chilenische Industrie- und Handelskammer in Santigo de Chile sind hierbei
wichtige Ansprechpartner.
Chile ist assoziiertes Mitglied des Mercosur und konnte deshalb Freihandelsabkommen mit der EU (EU-Chile Association Agreement
2005), den USA und China abschließen. Mit der EU besteht zudem ein Länderstrategiepapier (2007-2013), welches die
Unterstützung der chilenischen Bemühungen um Anpassung an den Klimawandel und um Emissionsreduktionen vorsieht.
Die aktivsten Investorenländer sind Großbritannien und Japan (Über JBIC) mit jeweils sieben Engagements. Mit
Japan, Kanada, Frankreich, Dänemark und Spanien bestehen Memoranda of Understanding.
Mit Italien wird über den Abschluss eines MoU verhandelt.
Chile wird bereits auf Rang eins des CDM-Investitionsklimaindizes der DEG geführt. Auch wenn nach wie vor große
soziale Disparitäten bestehen, schneidet Chile auch in weiteren Indizes zu Demokratie, Marktwirtschaft und
Investitionsklima (z.B. Bertelsmann; institutional investor) international beachtlich und als regionale Nummer eins ab.
Neben wachsendem Klimabewusstsein und akuter Energiekrise sprechen der gute institutionelle und wirtschaftliche Rahmen für
einen auch zukünftig dynamischen chilenischen CDM.
Chile steht hinter Brasilien und Mexiko an dritter Stelle unter den lateinamerikanischen Ländern hinsichtlich der Zahl an
CDM-Projekten: 68 Projekte befinden sich in der Pipeline. Unter den35 registrierten Projekten mit einem jährlichen
Einsparungspotenzial von 4.319 kt CO2-eq. beziehen sich acht auf Deponiegas, hauptsächlich auf die Verbrennung von
Deponiegas, aber auch Projekte zur Kompostierung und solche zur Stromgewinnung aus Deponiegas sind vertreten. Sechs Projekte
beziehen sich auf Wasserkraft, die traditionell die Hauptenergiequelle des Landes darstellt. Die Zusätzlichkeit dieser Art
von Projekten zu beweisen könnte allerdings in Zukunft auf Grund ihrer gegebenen Dominanz schwierig sein. Mit zur Zeit
vier Projekten ist auch Energie aus Biomasse von Bedeutung, bezogen auf die Energieerzeugung aus Holz und Holzabfällen in
Sägemühlen im Seengebiet und in Patagonien.
Die größten Reduktionen erzielt mit 822842 t CO2-eq pro Jahr hingegen das einzige Projekt mit deutscher Beteiligung
zur N2O-Vermeidung in der Düngemittelindustrie. Vier Projekte im landwirtschaftlichen Bereich betreffen die
Methan-Speicherung. Mit Wiederaufforstung, Energieeffizienz, dem Ersatz von fossilen Brennstoffen, flüchtigen Emissionen
sowie mit Lachgas befasst sich bis zum jetzigen Zeitpunkt je ein Projekt in der Pipeline.
Als chilenische DNA dient die 1994 gegründete Umweltbehörde CONAMA (Comisión Nacional del Medio Ambiente).
Für die Projektgenehmigung ist jedoch ein Steuerungskomitee aus Außenministerium, Umwelt- und Energieagentur
zuständig. Die Prüfung von Genehmigungsvorraussetzungen und die Entwicklung weiterer Kriterien, speziell für
Aufforstung und Wiederaufforstung, werden innerhalb dieses Steuerungskomitees diskutiert.
Die DNA zielt nicht auf eine Bürokratisierung des Prozesses, sondern will sicher gehen, dass die Genehmigungen in
Überseinstimmung mit anderen Zulassungen stehen, für die CONOMA zuständig ist. Die DNA bietet auch Hilfe bei der
Bestimmung der Baseline, entscheidet über CDM-Methoden und veranstaltet internationale Seminare zum CDM.
PROCHILE, die Regierungsbehörde für Exportangelegenheiten, steht in direkter Verbindung mit privaten Unternehmen,
wenn es um die Unterstützung der Entwicklung von CDM Projekten geht. Sie veröffentlicht auch das chilenischen
Projektportfolio.
Die chilenische Agentur für wirtschaftliche Entwicklung (CORFO; Corporación de Fomento de la Producción de
Chile) bietet Finanzierung für Machbarkeitsstudien und Unterstützung bei der Ausarbeitung des PDD für Wind-,
Biomasse-, Geothermie- und kleinere Wasserkraftprojekte an. Zusätzlich organisiert CORFO zinsgünstige Darlehen,
Vermittlungstreffen für Projektentwickler und Investoren sowie Aktienfonds zur Unterstützung der Entwicklung von
erneuerbaren Energien in Chile.
Zulassungsvoraussetzungen des Gastlandes Chile
Das Kriterium für eine Zulassung durch das Gastland ist, dass ein Projekt zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Die
Bewertung basiert auf dem Environmental Impact Assessment (EIA) System (System zur Einschätzung der Umweltwirkungen),
entsprechend dem Umweltrahmengesetz Act Nº 19.300., Artikel 10.
Die DNA hat als eine weitere Anforderung die der freiwilligen Teilnahme. Diese kann Projekte am Erhalt einer staatlichen
Genehmigung hindern, die für das Erneuerbare-Energien-Mandat des Landes qualifiziert wären. Kein Projekt hat bisher
versucht, sich für beide zu qualifizieren.
Der Genehmigungsprozess sollte nicht länger als 1 bis 2 Monate in Anspruch nehmen. PDDs müssen auf Spanisch
eingereicht und von den erforderlichen Genehmigungen ergänzt werden. Unterstützungsschreiben werden nicht
ausgestellt, da sie als Vorfestlegung der EIA gewertet werden könnten.
Jüngste Entwicklungen: Die DNA Webseite befindet sich noch im Aufbau.
Weitere Informationen (Auswahl):


