November 2008
Kurzprofil Vietnam
Vietnam
kennzeichnet eine extreme Vulnerabilität gegenüber dem Klimawandel: Bei einer der weltweit höchsten
Bevölkerungsdichten (245 Menschen / km²) haben tropische Wirbelstürme, Überschwemmungen und
Dürren katastrophale Folgen. Der Meeresspiegelanstieg bedroht mit den Mangrovenwäldern den
natürlichen Küstenschutz und erhöhte Temperaturen begünstigen Waldbrände und die
Ausbreitung von Tropenkrankheiten.
Ein weiteres Umweltrisiko ist ein Erbe des Vietnamkriegs: Eine Vielzahl der Ökosysteme hat sich bis heute nicht von Napalm und Agent Orange erholt und die Zahl von Fehl- und Missgeburten ist hoch.
Vietnam zählt dank seiner partiellen, sprich wirtschaftlichen Öffnung seit 1986 (doi moi = Erneuerung) zu den aufstrebenden Ländern in Südostasien. Strukturreformen zur Modernisierung des Landes und Aufbau einer wettbewerbsfähigen Exportwirtschaft mit Beitritten in ASEAN (1995), APEC (1998) und WTO (2007) führten 2007 zu einem Wirtschaftswachstum von 8,5%. Die Armutsquote ist auf 14,8% gesunken und die UN-Milleniumsziele könnten 2015 erreicht sein.Dieses Ziel verfolgt auch die europäische Kommission, die neben der bilateralen Kooperation mit Asia Pro-Eco über ein regionales Instrument zur Realisierung der ökologischen Nachhaltigkeit verfügt.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist in Hanoi mit GTZ, KfW, DED, CIM, DED und InWent vertreten. Politische Stiftungen, NGOs und Kirchen komplettieren die deutsche EZ. Kernpunkte sind Umwelt- und Ressourcenschutz, Wirtschaftsreformen und Gesundheit.
Vietnam ist reich an fossilen (Öl, Gas), industriellen (Bauxit, Chrom, Mangan), erneuerbaren (Holz, Wasser) und landwirtschaftlichen (Reis, Kautschuk, Fisch, Kaffee) Rohstoffen. Wirtschaftswachstum, Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion erhöhen jedoch den Druck auf die natürlichen Ressourcen. Im Rahmen der Agenda 21 (2002) und der nationalen Strategie für Umweltschutz (bis 2010-2020) hält die Regierung fest, dass Wirtschaftswachstum und Umweltschutz nicht zu trennen sind.
Ein breit angelegtes Aufforstungsprogramm dient der Armutsbekämpfung und soll zu einem nachhaltigen Forst-, Land-, und Wassermanagement führen. Dies beugt der Landflucht und somit einer Zuspitzung der ökologischen und sozialen Megastadtprobleme in Hanoi und Ho Chi Minh Stadt vor.
Das Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt (MONRE) ist Vietnams zentrale Umweltbehörde und dient als DNA. Es unterhält Dienststellen auf Provinzebene (DONRE) und verfügt mit der vietnamesischen Umweltschutzagentur (VEPA) über ein Exekutivorgan.
Mehrere Umweltfonds, darunter der CDM-Cleaner Production Fund, ergänzen den institutionellen und gesetzlichen Rahmen. Aktuell befinden sich 38 Projekte in der CDM-Pipeline, von denen bislang jedoch nur zwei registriert werden konnten: Ein kleines Wasserkraftprojekt und ein Projekt zur Wiedergewinnung und Nutzung von Erdgas bei der Erdölförderung. Letzteres generiert mit 677 kCERs mehr als 99% der nationalen Zertifikate. Kurz vor der Registrierung stehen ein Energieeffizienzprojekt in einer Brauerei und ein Deponiegasprojekt in Ho Chi Minh Stadt.
Wie der Fall des CDM-Spitzenreiters China zeigt, ist für einen dynamischen CDM-Markt weniger das politische System, sondern die wirtschaftliche und strukturelle Situation eines Gastlandes entscheidend. Die Parallelen zur Volksrepublik lassen auf ein theoretisches Potential des CDM schließen.
Der Übergang von Planwirtschaft zu sozialistisch geprägter Marktwirtschaft ist für den CDM attraktiv: Die Baselines in Industrie, Energiesektor und Landwirtschaft liegen aufgrund maroder Infrastruktur sehr hoch, so dass durch Technologietransfer deutliche Reduktionen zu erzielen sind.
Dank Vietnams Teilnahme an der ersten Phase des „Capacity Development for the CDM“-Programms der UNEP stehen Methoden und Richtlinien für Deponiegas-, erneuerbare Energien- und small scale LULUCF-Projekte bereit. Projektentwickler erhalten zudem die technische Unterstützung des Asian Technology Institutes.
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