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November 2008


Kurzportrait Kolumbien

Columbia FlagKolumbien grenzt an Panama und verbindet somit Mittel- mit Südamerika. Die äquatoriale Lage, verbunden mit Relief (über 5000 Meter hohe Berge) und Maritimität (rund 3000 Km lange Küste) sorgen für extreme Niederschlagsmengen und bedingen einen Hotspot der Biodiversität. Tropenwälder, Auen und Torfwälder bedecken mehr als die Hälfte des Staatsgebietes und stellen einen ebenso immensen wie labilen Kohlenstoffspeicher dar. Illegale Holzentnahme und die Umwandlung in Ackerland und Kokaplantagen zerstören jährlich über 100.000 ha Wald. Fast die Hälfte der Landesfläche sind von Erosion betroffen und die Wasserverschmutzung durch Agrochemikalien ist hoch.
Hinzu kommen als Klimarisiken der Meeresspiegelanstieg, die Zunahme von Klimavariabilität und Desertifikation, Verschiebungen auf den andinen Höhenlagen (Verschwinden von Gletschern und Paramo) sowie eine Ausbreitung von Tropenkrankheiten (Malaria, Dengue-Fieber).

Rohstoffreichtum (Erdöl, Kohle, Nickel, Smaragd, landwirtschaftliche Erzeugnisse), fortgeschrittene Industrialisierung und Humankapital begründen den wirtschaftlichen Erfolg Kolumbiens (2007: 8,2% Wachstum). Dieser wird jedoch durch Missstände bezüglich Menschenrechte, Demokratie, politische Stabilität sowie ökologische und soziale Nachhaltigkeit getrübt. Angekündigte Reformen verebben nicht selten in den von Drogenmafia und Guerilla beherrschten Krisenregionen des Landes.

Die Emissionen Kolumbiens und die Energiepreise sind verhältnismäßig gering. Zusammen mit der vergleichsweise fortgeschrittenen wirtschaftlichen Entwicklung erschweren diese Aspekte Projektentwicklern die Identifikation attraktiver CDM-Aktivitäten.
Nichtsdestotrotz wurde eine institutionelle Umgebung geschaffen und die Zahl der heimischen CDM-Beteiligten steigt beständig. Es entwickelt sich ein dynamischer Markt.
 
Kolumbien ist Mitglied der Andengemeinschaft (CAN; Comunidad Andina de Naciones), mit der die EU ein Assoziierungsabkommen anstrebt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit durch GTZ, CIM, InWent und KfW konzentriert sich auf „Friedensförderung und Konfliktprävention“ durch Stärkung lokaler Friedensinitiativen. Die GTZ hat außerdem gemeinsam mit der kolumbianischen Akademie für Physik- und Naturwissenschaften (ACCEFYN) u. a. ein nationales THG-Inventar sowie eine Studie zu Reduktionspotenzialen erstellt. Die größten Reduktionen bis 2010 werden demnach eindeutig in Aufforstungsmaßnahmen erzielt. Etwa 24 von 36 Mio. t CO2 / Jahr werden somit durch Kohlenstoffsenken vermieden und sind nicht Teil des CDM.
Kolumbien hat Memoranda of Understanding (MoUs) mit Kanada, den Niederlanden und Frankreich unterzeichnet.

In der Guajira Region gibt es das ganze Jahr hindurch starke Winde mit Geschwindigkeiten zwischen 5 und 11 Metern pro Sekunde und somit ein großes Potenzial für Windenergie-Projekte.
In den Anden sind optimale Voraussetzungen für Wasserkraftprojekte gegeben. Die Schätzungen für das Potenzial großer Wasserkraftwerke liegen bei 93 GW, kleinere Kraftwerke haben ein Potenzial von 25 GW Leistung.
Daneben gibt es ein großes Potenzial für Projekte in den Bereichen Biomasse und Geothermie. Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge liegt das Energiepotenzial von Rückständen aus der Landwirtschaft und anderen Nutzpflanzen bei über 16.000 MWh. Mit einer durchschnittlichen Sonneneinstrahlung pro Tag von 4,5 KWh/qm bestehen ebenfalls gute Aussichten für die Sonnenenergie-Nutzung. 


Aktuell befinden sich 44 Projekte in der Pipeline, von denen 17 bereits registriert sind. Bis 2012 werden diese 6756 kCERs generieren. Die Schweiz ist mit fünf Beteiligungen aktivstes Investorland, während Deutschland nur an einem Projekt beteiligt ist. Dieses ist jedoch eine N2O-Vermeidungsaktivität, die mit 339688 CO2-eq / Jahr die größten Reduktionen von allen erzielt. Standort sind zwei Düngemittelfabriken in der Hafenstadt Cartagena. Vier Wasserkraft-, drei Biomasse-, ein Windkraft-, ein Öl-zu-Gas fuel switch-Projekt sowie ein öffentliches Verkehrsprojekt (TransMilenio) in der Hauptstadt Bogotá dokumentieren einen diversifizierten CDM. Zur Registrierung eingereicht wurde ein Pilotprojekt eines sektoralen CDM in der Palmölindustrie. Zusätzlich stehen 32 Kraftwerke (ca. 80% der nationalen Produktion) bereit, um durch Emissionsvermeidung und Umstellung auf erneuerbare Energien jährlich 757067 CERs generieren.

Als DNA fungiert das Amt zur Minderung des Klimawandels (Oficina Colombiana para la Mitigación del Cambio Climático, OCMCC). Es ist dem Ministerium für Umwelt, Wohnungsbau und Raumplanung (MAVDT) angegliedert, arbeitet jedoch zunächst auf temporärer Basis, was der DNA eine schwache Position verleiht. Zudem ist sie personell unterbesetzt. Zu Zeit wird die DNA jedoch restrukturiert.

Als nahezu einziges CDM-Gastland existiert in Kolumbien auch eine einheimische DOE, das kolumbianische Institut für technische Standards und Zertifizierung (ICONTEC).

Zulassungsvoraussetzungen des Gastlandes Kolumbien

Das Zulassungsverfahren umfasst die Bewertung des Antrags durch die Komitees für Wissenschaft, Planung und Klimawandel. Auch wenn die Erteilung einer Genehmigung laut Gesetz höchstens 45 Tage in Anspruch nehmen sollte, zeigen erste Erfahrungen, dass es bis zu 7 Monaten zur Erteilung von Genehmigungen dauern kann.


Weitere Informationen (Auswahl):

Webseite der kolumbianischen DNA
Executive Summary of Colombia's National Communication on Climate Change to the UNFCCC (PDF)
Internetportal von ACCEFYN und GTZ: Gases de efecto invernadero
Greenhouse-Gas Emissions in Colombia 1998 – 2010 (PDF)
Studie: Opciones para la reducción de Gases de efecto invernadero en Colombia
Webseite der Acción Social (EZ)
Länderinformationen Kolumbien des Auswärtigen Amtes
Bertelsmann: Länderbericht Kolumbien
CIA World Fact Book
Deutsch-kolumbianische Industrie- und Handelskammer
GTZ in Kolumbien
Länderinformationen Kolumbien der Weltbank
European Commission: The EU’s Relations with Colombia
EU Council Conclusions on Colombia (PDF)
European Commission: Colombia Country Strategy Paper 2007 – 2013 (PDF)