November 2008
Kurzportrait Jordanien
Jordanien zählt zu
den Verlierern des Klimawandels, der eine höhere Niederschlagsvariabilität in der Wüstenregion (3,3% der
Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar) ein unvorhersehbares Ernterisiko mit sich bringt. Dürren führen im
Zusammenspiel mit Bevölkerungsdruck und Überweidung zu Bodenerosion und Desertifikation.
Unter König Abdallah wurde ein wirtschaftlicher Reformkurs eingeleitet: Durch die Mitgliedschaft in der WTO und Freihandelsabkommen mit EU (2001) und den USA stiegen die Exporte (2007: 22,4% an die USA) signifikant und die Wirtschaft wuchs zuletzt um 6,0%.. Lange Zeit staatliche Sektoren wie die wichtige Potascheindustrie und der Energiesektor werden nach und nach für ausländisches Kapital geöffnet.
Jordanien hat die Bedeutung des Klima- und Umweltschutzes und einer unabhängigen Energieversorgung erkannt: Das Umweltschutzgesetz von 2003 bildet den gesetzlichen Rahmen nationaler Programme zum Erhalt der Wasserressourcen, Biodiversität und Kampf gegen die Wüstenbildung. Die Bedeutung erneuerbarer Energien wurde zuletzt und Energieeffizienz in der National Energy Efficiency Strategy und dem Energy Master Plan von 2004 und dem National Indicative Programme 2007 – 2010 festgehalten. Unter anderem soll der Anteil mit Heizöl befeuerter Kraftwerke von 65% in 1994 auf 21% in 2023 zurückgehen und die solarthermische Warmwasserversorgung in Haushalten 2012 20% erreichen. Das Ziel 2% erneuerbare Energien in 2012 und 3% in 2017 ist hingegen bescheiden. Initiativen der europäischen Kommission wie MENAREC (Middle East North Africa Renewable Energy Conference), das MEDA-Programm zur Förderung von Solarthermie und MED-ENEC für Energieeffizienz in Gebäuden unterstützen die jordanische Regierung.
Jordanien ist als Staat der MENA-Region Schwerpunktland der CDM/JI-Initiative der Bundesregierung. Die GTZ wurde vom Bundesumweltministerium beauftragt, CDM-Netzwerke zwischen Behörden, Unternehmen und weiteren Akteuren aufzubauen und ein MENA-Länderexperte wurde benannt (siehe Kontakt).
Als CDM-DNA dient das 2002 gegründete und in der Hauptstadt Amman ansässige Umweltministerium. Im September diesen Jahres konnte das erste und bislang einzige CDM-Projekt registriert werden. Das Großprojekt mit britischer Beteiligung soll durch Brennstoffwechsel in einem bestehenden Wärmekraftwerk von Öl zu Gas bis 2018 jährlich 371.163 CERs generieren.
Da Jordanien rund 90% seiner Elektrizität aus Öl gewinnt, kann der Emissionsfaktor entsprechend hoch bemessen werden. Regenerative Energien wie Windkraft und Solarenergie haben ein entsprechendes Potential. Insbesondere die Nutzung von Solarthermie zur Warmwasserversorgung ist kostengünstig, dezentral einsetzbar und somit eine Chance für einen zukünftigen programmatischen CDM. Das Windkraftpotential wird auf 100 MW geschätzt. Ein 1,35 MW-Windpark im Norden Jordaniens wurde von der deutschen Regierung und durch deutsche Windturbinen unterstützt. Biogas aus Deponien und Gülle bietet eine weitere Option. Die Potentiale für Wasserkraft, Biomasse und Geothermie sind angesichts der klimatischen und geologischen Verhältnisse hingegen gering.
Weitere Informationen (Auswahl):
MENA-Region Ländexperte Jörg Linke unter


